An einem Mikroskop stehen unterschiedliche Objektive zur Verfügung.
Ein wichtiges Hilfsmittel in der Pathologie: das Mikroskop (Foto: Michael Stobrawe)

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient

Jedes entnommene und zu uns eingeschickte Gewebe wird von einem Facharzt für Pathologie untersucht. Wir möchten, dass Sie optimal versorgt werden, bereiten das Gewebe so schnell wie möglich auf und erstellen eine Diagnose.

Uns erreichen immer wieder Anfragen mit der Bitte um Übersendung des Pathologieberichtes direkt an Patientinnen/Patienten. Leider können wir dieser – an sich natürlich absolut berechtigten – Bitte nicht ohne weiteres nachkommen.

Der Grund dafür ist, dass der Pathologiebericht immer im Kontext des gesamtklinischen Bildes interpretiert werden muss. So nun eine isolierte Betrachtung des Pathologieberichtes durch einen Laien (z. B. im Rahmen einer Krebserkrankung) erfolgt und entsprechend häufig zusätzlich zweideutige Informationen z. B. aus dem Internet hinzugezogen werden, besteht ein hohes Risiko einer individuellen Fehlinterpretation einer Krankheitskonstellation mit möglicherweise gravierenden Folgen.

Daher sehen wir eine Direktübersendung von Pathologieberichten an Patientinnen und Patienten als problematisch an. Natürlich haben Sie dennoch jederzeit das Recht Ihren Bericht wie folgt zu erhalten: (1) bitten Sie Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt (die Person, die das Gewebe entnommen hat – sie erhält den Befundbericht automatisch) um die Übersendung des Pathologieberichtes an Sie oder (2) bitten Sie ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt Ihren Pathologiebericht bei uns per Fax anzufordern. Die Faxnummer finden Sie auf der Startseite. Ihre Ärzte können dann den Bericht - begleitet von den entsprechenden möglicherweise notwendigen medizinischen Erläuterungen - an Sie aushändigen.

Zögern Sie nicht, wenn Sie dazu noch Fragen haben und kontaktieren Sie uns gerne.

Was ist Pathologie?

Die Pathologie ist die Lehre von den Erkrankungen des Menschen. Sie spielt in der täglichen medizinischen Praxis eine zentrale Rolle. Sie hat als Fach folgende Aufgaben in der Krankenversorgung:

  • Feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben zur Krankheitszuordnung
  • Molekulare und morphologische Untersuchungen zur Vorhersage des Ansprechens auf zur Verfügung stehende Therapiealternativen und zur Prognoseeinschätzung
  • Klinische Obduktion zur Qualitätssicherung in der Medizin 

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie helfen Ihnen bei der Krebsvorsorge

Beispiel:
Der jährliche Zellabstrich vom Gebärmuttermund, der vom Frauenarzt entnommen wird, untersucht der Pathologe unter dem Mikroskop auf krebsverdächtige Zellen. Nur so kann der Frauenarzt seine weitere Behandlung korrekt planen. Solche Krebsvorstufen werden vielfach durch eine Abschabung oder eine keilförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses entfernt.

Anschließend untersucht der Pathologe in 20 - 40 Schnittpräparaten, wie fortgeschritten die krebsartigen Veränderungen sind und ob sie vollständig entfernt wurden.

  • Wird die Diagnose von Krebsvorstufen bei gleichzeitig normalen Schnitträndern gestellt, kann die Gebärmutter erhalten werden - sehr wichtig, wenn es um eine Frau mit Kinderwunsch geht!
  • Krebsvorsorge ist ohne den geschulten Blick des Fachmannes nicht mehr vorstellbar. Auch wenn er im Hintergrund arbeitet: Ihr Pathologe ist ein verlässlicher Wächter über ihre Gesundheit.

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie spielen schon vor der Behandlung eine wichtige Rolle!

Beispiel:
Nach einer Magenspiegelung untersucht der Pathologe die aus veränderten Bereichen der Schleimhaut gewonnenen winzigen Gewebsproben unter seinem Mikroskop. Wenn er die Diagnose Magenschleimhautentzündung (Gastritis) mit gutartigem Magengeschwür stellt, was zumeist Folge einer Infektion mit Helicobacter pylori-Bakterien ist, werden Sie anschließen mit Tabletten behandelt. Lautet die Diagnose Magenkrebs, so ist eine endoskopische oder chirurgische Entfernung des Krebses zur Heilung notwendig.

  • Die Diagnose des Pathologen bedeutet in vielen Fällen eine wichtige Weichenstellung für die Auswahl des Therapieverfahrens durch den behandelnden Arzt.
  • Es ist der Pathologe, der das Ausmaß der Operation wesentlich mitbestimmt: Je nach Bösartigkeit und Ausdehnung eines Tumors wird individuell vorgegangen.

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie sind auch während der Behandlung bei Ihnen!

Beispiel:
Während einer Punktion oder Operation der Brustdrüse und vieler weiterer Organe beurteilt der Pathologe sofort die gewonnene Gewebsprobe in einem mikroskopischen Schnellverfahren. Stellt der Pathologie die Gutartigkeit der Gewebsprobe fest, ist die Operation damit auch häufig bereits beendet. Lautet die Diagnose "Krebs", werden z. B. zusätzlich die Ränder des Operationspräparates untersucht, um zu prüfen, ob dieser Krebs im Gesunden entfernt worden ist. Nur so ist es heute möglich, nahezu 2/3 aller Brustkrebspatientinnen brusterhaltend zu operieren!

  • Auch wenn Sie ihn nicht sehen, während einer Operation ist der Pathologe Mitglied des Teams, das Sie betreut. In wenigen Minuten stellt er an der Gewebsprobe wichtige Diagnosen.
  • Die intraoperative Schnellschnittdiagnostik entscheidet über das weitere Vorgehen: kann die Operation beendet oder muss sie erweitert werden.

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie brauchen Sie nach der Behandlung gleich wieder!

Beispiel:
Nach Entfernung eines Tumors im Dickdarm werden dessen Ausdehnung, der Grad der Bösartigkeit, die Schnittränder und die Frage untersucht, wie weit der Tumor in umgebendes Gewebe eingewachsen ist. Besonders wichtig ist die Untersuchung aller mit entfernten Lymphknoten mit der Frage, ob hier schon Tumorabsiedelungen ("Metastasen") nachzuweisen sind.

Ähnliches gilt für alle anderen Krebsoperationen, z.B. solche von Schilddrüsen-, Lungen-, Kehlkopf-, Brust-, Magen-, Haut-, Harnblasen-, Prostata-, Hoden-, Eierstock-, und anderen Krebserkrankungen. Der Befund des Pathologen liefert eine wesentliche Entscheidungshilfe für die weitere Therapie.

  • Die Diagnostik des Pathologen am Operationspräparat entscheidet darüber, ob die operative Behandlung ausreichend und erfolgreich war sowie ob eine zusätzliche Strahlen- und/oder Chemotherapie erforderlich ist.

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie sind zentral in die interdisiplinäre Weichenstellung Ihrer Therapie involviert!

Beispiel:
Heutzutage wird in modernen zertifizierten und akkreditierten Krebszentren jeder Krebspatient mehrfach in einem interdisziplinären Team besprochen um die optimale Behandlungsstrategie unter Einbeziehung aller Experten festzulegen. Der Pathologe ist integraler Bestandteil dieses Teams. Er bringt hierbei nicht nur die Ergebnisse der durchgeführten feingeweblichen Untersuchungen ein, sondern vertritt auch die Ergebnisse zusätzlicher molekularer (z.B. genetischer) Tests die in vielen Tumorerkrankungen heute schon vorhersagen können ob ein Patient auf die geplante Therapie ansprechen wird oder nicht.

  • Molekulare Diagnostik zusätzlich zur feingeweblichen Untersuchung hilft heute individuell für jeden Patienten die am besten wirksame Therapie auszuwählen.
  • Der Pathologe ist somit heute ein moderner Lotse der Therapie

Klinische Obduktionen tragen zur Qualitätssicherung der Behandlung bei!

In der Regel wird eine klinische Obduktion durchgeführt, um die Grund- und Folgeerkrankungen sowie die Todesursache eines Versorbenen genau feststellen zu können. Zusätzlich dient die Obduktion der Überprüfung von diagnostischen und therapeutischen Methoden und nutzt so allen zukünftigen Patienten. Die Obduktion ist darüber hinaus ein wichtiges Qualitätssicherungsinstrument, da trotz modernster Technologien auch heute noch einige Erkrankungen im Verlauf in manchen Aspekten unklar bleiben. Daneben werden Obduktionen auch zur Feststellung von berufsbedingten Erkrankungen sowie bisweilen auch zum Ausschluss einer erblichen Krankheitskomponente durchgeführt. Zusätzlich spielen Obduktionen seit jeher in der Aus- und Fortbildung von Ärzten eine wichtige Rolle.

Die klinische Obduktion dient der

  • Selbstkontrolle der Ärzte
  • der ärztlichen Ausbildung
  • der Information über die Häufigkeit, Zunahme oder Abnahme von Krankheiten
  • der Entdeckung von Berufskrankheiten, Umweltkrankheiten und bisher unbekannter Krankheitsbilder
  • der Früherkennung von gehäuft auftretenden Mißbildungen
  • der Therapiekontrolle (z.B. Überprüfung der Ergebnisse neuer Operationen oder Medikamente) sowie (in sehr seltenen Fällen) auch der Aufdeckung unnatürlicher Todesursachen.

Ärztinnen und Ärzte für Pathologie sind auch neuen Krankheiten auf der Spur!

Viele Krankheiten sind in der Geschichte der Medizin durch Pathologen entdeckt worden. Dies gilt auch heute noch. So hat etwa ein Pathologe Anfang der 80er Jahre Magenbakterien entdeckt, die die Ursache der Magenschleimhautentzündung, der Geschwüre des Zwölffingerdarms und des Magens und der Magenkrebse sind. Durch medikamentöse Beseitigung dieser Bakterien lassen sich heute alle diese Krankheiten auf Dauer heilen oder verhindern.

Mit hochmodernen Untersuchungsmethoden suchen die Pathologen heute nach den Ursachen vieler Krankheiten mit dem Ziel, auch diese Krankheiten eines Tages heilen zu können.

  • Viele bis dahin unklare Krankheiten sind durch Pathologen aufgeklärt worden.
  • Forschung durch Pathologen erbringt bessere Vorsorge, bessere Diagnostik und bessere Behandlung.

Anmerkung:
Beispiele teilweise entnommen aus den Patienteninformationen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, der Internationalen Akademie für Pathologie (Deutsche Abteilung) und des Bundesverbandes Deutscher Pathologen e.V.