Foto: Michael Stobrawe/Pathologie
Foto: Silvia Wilax/Pathologie

Molekularpathologie

Die molekulare Pathologie - als Ergänzung zur morphologischen Gewebsbegutachtung – hält zunehmend Einzug in die diagnostische Pathologie und repräsentiert mittlerweile eines der zentralen und das am stärksten wachsende und sich am schnellsten entwickelnde Teilgebiet der Pathologie. Die Molekularpathologie hilft bei der Erstellung exakter Diagnosen und bei Therapieentscheidungen. Sie bildet hierbei häufig die Grundlage der sogenannten „personalisierten Medizin“, bei der dem Patienten eine individuell angepasste Therapie bei bestimmten morphomolekular definierten Tumorerkrankungen/Gendefekten angeboten werden kann.

Zahlreiche Methoden aus dem Bereich der Molekularbiologie wurden hierbei für die diagnostischen Fragestellungen im Bereich der Tumor- sowie der Erregerdiagnostik adaptiert und werden in unserem Labor angeboten.

Die zur Anwendung kommenden Assays beruhen im Wesentlichen auf der Methode der Polymerasekettenreaktion, häufig in Kombination mit nachgeschalteter Sequenzanalyse, jedoch finden auch Hybridisierungstechniken, wie die Fluoreszenz in situ Hybridisierungen, bei der spezifische DNA-Proben zum Nachweis von chromosomalen Veränderungen eingesetzt werden, eine breite Anwendung. Vor einigen Jahren hat eine neue Technik in diesem Gebiet Einzug gehalten, die eine Vielzahl dieser einzelnen Analysen auf einem singulären System parallel zusammenfassen kann. Hierbei handelt es sich um die sogenannte gezielte massive Parallelsequenzierung („Targeted Next Generation Sequencing“), mit der im Prinzip jedwede Art von Nukleinsäureanalytik durchgeführt werden kann. Zur Anwendung in unserem Labor kommt hier unter anderem die „Panelsequenzierung“, bei der mehrere hundert Mutationshotspots in einer Vielzahl von Genen parallel analysiert werden können. Einsatz finden hier im Tumorbereich kommerzielle „Hotspot“-Panels (DNA-basiert) bzw. Translokationspanels (RNA-basiert) jedoch auch entitätsspezifische Panels, die gezielt für die Analytik bestimmter Tumorentitäten entwickelt wurden (u.a. für Magenkarzinome, Mammakarzinome, Kopf-/Halstumore, Kolorekatalkarzinome, Lungenkarzinome). Diese Panels werden in regelmäßigen Abständen entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den neuesten Stand gebracht.

Mittels dieser Methoden erfolgen bei uns:

  • in der Regel PCR- und/oder arraybasierte Nachweise von Bakterien, Viren und Pilzen
  • in-situ Analysen zum Nachweis von Translokationen/Amplifikationen/Deletionen in Tumoren
  • Sequenzuntersuchungen – heute (siehe oben) in der Regel mittels massiver paralleler Sequenzierung multipler Gene
  • zur Erstellung eines Mutationsprofils eines Tumors mit dem Ziel der Therapiestratifizierung
  • Genexpressionsuntersuchungen zur Risikoabschätzung bei selektierten Tumorentitäten (z. B. Endopredict beim Mammakarzinom)

Unsere Anforderungsscheine für die molekulare Diagnostik, denen auch das aktuelle Angebotsspektrum zu entnehmen ist, sind über das Institut zu bekommen.

Das Material, das für diese Untersuchungen herangezogen wird, umfasst vorwiegend in Formalin fixiertes, Paraffin-eingebettetes Gewebe, jedoch auch zytologische Präparate und seit kurzem auch freie zirkulierende Tumor-DNA bzw. freie zirkulierende Tumorzellen, die aus Plasma von Patienten gewonnen werden (sogenannte „Liquid Biopsy“).

Ein hoher Qualitätsstandard der angebotenen Analysen wird durch ein fachkundiges Team aus Mitarbeitern (zurzeit 3 Biologen und 4 technische Assistenten unter Mitarbeit molekularpathologisch geschulter Ärzte) sowie die regelmäßige Teilnahme an externen Ringversuchen im Rahmen der Qualitätsinitiative Pathologie (QuiP) und den konsequenten Einsatz von internen Kontrollen bei allen Untersuchungen gewährleistet. Unsere Molekularpathologie ist akkreditiert.